GEDENKFEIER

Namen und Schicksale

Verlesung der Namen von Verfolgten
aus dem Bezirk Urfahr – Umgebung

Samstag, 15. September 2018
GRAMASTETTEN

Wirkungsort von Pfarrer P. Konrad Just, OCist, der bereits am 12. März 1938 verhaftet worden war und erst 1945 aus dem KZ Dachau befreit wurde

 

Programm:

18.00 Uhr: Beginn am Grab von P. Konrad Just im Friedhof neben der Kirche
Verlesung der Namen der politisch Verfolgten aus den Gemeinden des Bezirkes

Im Pfarrhofgarten (je nach Wetter)
Verlesung der Namen der in Hartheim Ermordeten aus dem Bezirk

Vorstellung von Einzelschicksalen

19.00 Uhr: Eucharistiefeier in der Pfarrkirche Gramastetten
mit Abt Reinhold, Pfarrer Puchberger und Pfarrassistent Kimla


Eingeladen sind Interessierte und Angehörige der Verfolgten

Abt Dr. Reinhold Dessl, Wilhering
Pfarrassistent Mag. Anton Kimla, Gramastetten
Pfarrer Dr. Hubert Puchberger, Altenfelden
Dr. Erna Putz, Ohlsdorf

Info: Erna Putz, 0699/ 1179 4665, erna.putz@tele2.at


Sehr geehrte Damen und Herren!

Die vielen jungen Menschen aus Italien, die alljährlich zur KZ-Befreiungsfeier nach Ebensee kommen und an ihre dort gefangenen Landsleute denken, bewegen. Vor 80 Jahren kamen hunderte Oberösterreicher nach Dachau. Die Gedenkfahrt am 13. März dorthin hat viele Schicksale in den Blick gerückt.

Daraufhin bekam Erna Putz überraschend eine Datei mit über 7.000 Namen politisch Verfolgter aus der Zeit von 1934-1945 zugesandt. Diese kamen aus allen Gemeinden des Landes, aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten. Die Haftgründe reichten von Rundfunkvergehen über unerlaubte Beziehungen zu Fremd-arbeiterinnen und Fremdarbeitern, Schwarzschlachten, von NS-kritischen Bemerkungen, rassischer Verfolgung, kommunistischer Betätigung bis zu Hochverrat.

Der Einfluss der Kirche auf die Jugend sollte unterbunden werden.

Die Schicksale dieser Menschen beleuchten die Situation in der Region. Aus dem Bezirk Urfahr Umgebung waren über 60 Personen politisch verfolgt: Bad Leonfelden 10, Engerwitzdorf 1, Feldkirchen 3, Gallneukirchen 10, Goldwörth 1, Gramastetten 7, Hellmonsödt 2, Katzbach mindest 1, Kirchschlag 1, Oberneukirchen 1, Ottensheim 7, Reichenau 2, Reichenthal 1, Steyregg 7, Vorderweissenbach 3, Walding 3, Zwettl 1

Zu ihnen kommt die große Zahl der in Hartheim ermordeten Menschen. Sie alle sollen genannt werden.

Die Haltung der Menschen, die sich in schwierigster Zeit den Blick nicht haben vernebeln lassen, gibt heute Mut und Zuversicht.

 

Eingeladen sind Interessierte und Angehörige der Verfolgten

Abt Dr. Reinhold Dessl, Wilhering
Pfarrassistent Mag. Anton Kimla, Gramastetten
Pfarrer Dr. Hubert Puchberger, Altenfelden
Dr. Erna Putz, Ohlsdorf

Info: Erna Putz, 0699/ 1179 4665, erna.putz@tele2.at

 

Beispiele aus Gemeinden

Altenberg
Bericht von Pfarrer Paster, Altenberg betr.Volksabstimmung vom 10. 4. 1938:
„Gefertigter sah selber, wie im Wahlzimmer den Leuten mit dem Finger gezeigt wurde, wo sie die Kreuze machen mussten. Es getraute sich tatsächlich niemand mehr in die Zelle, weil dies allein schon als Gegnerschaft ausgelegt wurde.“( WV 2, 466), derselbe: „Wirte (Hainzl in Preising) wurden boykottiert, weil sie kein Hitlerbild in der Gaststube hatten.“ (WV 2, 472)

Aus Protestaufruf des Bürgermeisters und Ortsgruppenleiters von Altenberg betreffend Fremdarbeiter:
„Es sei an der Stelle auch festgestellt, dass kürzlich ein sonst streng katholischer Bauer sein 15jähriges Pflicht-Lehrmädel auf den Tanzboden gehenbließ, ihm aber als sogenanntes ‚Aufsichts- und Wacheorgan’ die gleichfalls bei ihm bedienstete Polin mitgab… Das ist ein Hohn und Spott, ein Faustschlag ins Gesicht jedes deutschen Mädels, eine schändliche Besudelung der Ehre einer jeden deutschen Frau und gehört dementsprechend gebrandmarkt…“( WV2, 431)

Gallneukirchen
„Ludwig Berger, Tischlermeister in Gallneukirchen, wurde am 11. 5. 1938 von den SA-Männern Josef und Johann Larndorfer, Adolf Penzenleitner und Josef Blineder aus Gallneukirchen… im Gasthause Riepl – Nazilokal – in ein Zimmer gesperrt und dort derat geschlagen und misshandelt, dass er ärztl. Hilfe in Anspruch nehmen und sich sogleich einer Leistenbruch-Operation unterziehen musste.“ (WV 2, 240)

Gramastetten
Aus Schreiben Franz Vieböck an Pfarramt Gramastetten vom 26. 11. 1940:„Der Fall, dass in Gramastetten auf Grund des von der Schulbehörde den Kindern erteilten Verbotes, vor der Schule eine Messe zu besuchen, auch den Ministranten der Altardienst verboten wurde, ist völlig vereinzelt dastehend, so dass angenommen werden kann, der Erlass sei von der dortigen Schulleitung zu streng ausgelegt worden. Das Pfarramt möge in ruhiger und sachlicher Besprechung mit der Schulleitung darauf hinweisen, das Gramastetten mit diesem Verbot einzig dasteht, und ersuchen, dass es zurückgenommen werde.“… (WV 2, 79) 

Aus Bericht des Gend. Postenkommandos Gramastetten vom 23. 4. 1946
„Schon im Jahre 1940 wurde hier eine Widerstandbewegung gegründet, die aber von der Gestapo entdeckt und von der dann 2 Mann festgenommen und in ein KZ gebracht wurden. Von diesen zwei Männern wurde einer bis Dezember 1942 festgehalten und er andere bis im August 1944 in den verschiedenen Lagern Deutschlands inhaftiert. Außer diesen zwei wurden im Herbst 1944 noch weitere Männer, die der Widerstandsbewegung angehört haben, zu Haftstrafen verurteilt.“ (WV 2, 371)

Beispiele aus: Widerstand und Verfolgung in O.Ö, Bd. 2, Wien- Linz 1982